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> German interview with Ed
silentsinger
post Apr 30 2006, 7:16 pm
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For those who speak German - here's an interview I found online today which is quite interesting I think, because the interviewer was a bit more critical than usual.


Live
Interview mit Ed Kowalczyk
Datum: 09.04.2006



I´m Still Alive


Der Black Mountain steht hinter einem kleinen Anwesen im kalifornischen Santa Barbara. Da ist meistens gutes Wetter, man kann viel unternehmen und sogar in echten Wasserfällen spielen. Das Anwesen gehört Ed Kowalczyk, Sänger und Songschreiber der Mid-90er-Megaseller Live. Hier lebt er mit seiner Frau und zwei kleinen Töchtern. Warum also zum Songschreiben in die Ferne schweifen, wenn es zuhause doch eh am schönsten ist? Das mittlerweile 7. Album seiner Band heißt deswegen gleich Songs from Black Mountain, und lässt, untermalt durch starke Posen vor den Wasserfällen hinterm Haus, zumindest deutlich spüren, dass es dem naturverbundenen Kowalczyk wirklich gut geht und das auch jeder erfahren soll.

Vielleicht sogar zu gut, denn von dem, was Lives Megaseller und Alternative-Meilenstein Throwing Copper 1994 so stark machte, ist heute nicht mehr viel übrig. Secret Samadhi und The Distance To Here hatten ihre großen Momente, immer noch. Aber was sich schon nach dem bemüht-unbemühten V auf Birds Of Prey andeutete, findet nun seine konsequente Fortführung: Kein Song unter diesen Oden an die feministische Natur, der auch nur ansatzweise so unter die Haut geht, wie es damals jeder einzelne schaffte. Kein durchschüttelnder Frust mehr, der dich an die Hand nimmt, dafür umso mehr pathetischer Optimismus. Der hält bei Kowalczyk gerne auch als Mittel zum Zweck her, wenn es um den Wandel seiner Band geht. Das ist sein gutes Recht und man könnte sich sogar mit ihm über sein ausgeglichenes Leben freuen, wenn er die vermeintliche Stärke des neuen Werkes nicht beinahe inflationär betonen würde.

Ja, in den benachbarten Niederlanden und Belgien sind Live Superstars, immer noch. Bei uns headlinen sie die nicht ausverkaufte WDR-Rocknacht, auf der sie am späten Abend eine mehr als solide, würdige Show hinlegen würden. Während Nada Surf u.a. so bezeichnenderweise Always Love und Imaginary Friends spielen, gibt Kowalczyk, einer der Helden deiner Jugend, der soviel zu erzählen haben sollte und Phrasen nicht nötig hat, 20 Minuten lang freundlich routiniert wie distanziert die Antworten, die man zwar erwarten dürfte, aber insgeheim doch hoffte, dass alles ganz anders kommt. Auch nach 15 Jahren im Geschäft haben Rockstars es noch nötig, zu reflektieren und sich zu beweisen. Die Meßlatte hat man ja damals selbst so hochgehangen. Der eigene Anspruch und der der Fans driften da leider mitunter mal auseinander. Kowalczyk wird nach dem Interview einlenken: "An einem gewissen Punkt muss man natürlich erstmal zusehen, dass man selbst glücklich ist. Aber wenn du das bist, dann steckt das an. Wir sind glücklich mit dem neuen Album, also wird das auch ansteckend wirken. Das funktioniert seit 15 Jahren ganz gut so, also sehe ich keinen Grund, damit aufzuhören!" Na wenn das so ist.



AN: Wie geht es dir in diesen Tagen, während ihr euer neues Album promotet?

Ed Kowalczyk: Großartig, aufgeregt! Wir waren schon länger nicht mehr in Deutschland und bauen uns im Vergleich zu Holland und Belgien unsere Fans hier immer noch weiter auf.

AN: Ist die Veröffentlichung eines siebten Albums genauso spannend wie die Male davor oder gar wie zu den Anfängen?

Ed: Irgendwie schon. Jedes Mal, wenn du neue Musik rausbringst, ist das auf seine Art und Weise spannend. Du weißt nicht wie es angenommen wird, da ist immer ein Nervenkitzel. Du liebst das neue Material, umso spannender ist so eine Zeit.

AN: Schleicht sich da nicht schon mal eine gewisse Routine ein, die sich evtl. sogar in der Musik wieder findet?

Ed: Nicht bei uns. Ich liebe und genieße den Prozess des Songwritings so sehr, es ist eine immer noch genauso zwingende Sache wie sie es immer war.

AN: Warum sollen sich alte Fans, besonders die von Throwing Copper, die Songs From Black Mountain anhören? Und warum sollen das diejenigen machen, die euch bisher noch nicht kannten?

Ed: Über das neue Album werden viele Leute sagen, dass es sie an die ersten beiden Alben erinnert, Mental Jewelry und Throwing Copper. Da glaube ich sehr dran, denn die bloße Anzahl großer Songs auf dem Album bürgt für das vielleicht beste Material, dass wir seit Throwing Copper je hatten. Ich nenne das manchmal "kurierte Live" – wir sind zurück zu unseren Anfängen, zu unseren Wurzeln gekehrt. Ich als Songwriter bin zurückgekehrt zu den wegfegenden, berührenden Melodien, für die wir bekannt waren. Wenn Du also Throwing Copper magst, dann wirst du auch Songs From Black Mountain genießen.

AN: Gibt es mittlerweile eine bestimmte Zielgruppe eurer Musik? Sprecht ihr eher Leute eueres Alters an oder auch die ganz jungen Kids?

Ed: Ich glaube nicht, dass wir eine bestimmte Zielgruppe haben. Tolles Songwriting bleibt tolles Songwriting. Leute jeden Alters, die tolle Songs mögen, werden auch Live mögen. Ich ziehe da jedenfalls keine Grenzen im Alter oder anderswie.

AN: Schon immer seit Secret Samadhi wurde Kritik lauter, dass ihr nie mehr so gut wie auf Throwing Copper werden würdet. Machen diese Stimmen euren Fortschritt nicht mit? Verstehen sie nicht worum es geht? Kannst du nachvollziehen, was ihnen fehlt oder kannst du solche Kritik einfach nicht mehr hören?

Ed: Ich glaube einfach nicht, dass das stimmt. Wenn die Leute dem neuen Album überhaupt eine Chance geben, werden sie merken, dass sie einen großen Moment in der Karriere der Band markiert. Ich würde zustimmen, dass es einige Alben oder Songs von uns gab im Laufe der Zeit, die sich weniger bewährt haben als andere. Als Künstler solltest du immer wachsen. An manchen Punkten haut es hin, du fängst die Energie früherer Sachen wieder ein, und da sind wir ziemlich nah rangekommen, die Leute sollten uns also eine Chance geben.

AN: War das so oft zurecht als Meilenstein moderner Rockmusik bezeichnete Throwing Copper einfach die richtige Musik zur richtigen Zeit?

Ed: Irgendwie schon, ja. Wir waren 22, 23, da war diese jugendliche, einzigartige Energie an dem Punkt deines Lebens. Das versuchst du irgendwie immer wieder einzufangen oder es in dir zu finden. Zwar klingt Songs From Black Mountain durch eine andere, organische Produktion und mehr Akustikgitarren schon anders, aber nichtsdestotrotz sehr klassisch. Das werden die Hörer auch bemerken.

AN: Throwing Copper lebte vor allem auch von der Wut, die überall mitschwang. Die sucht man heute, 12 Jahre später, vergebens. Ist das ein natürlicher Prozess der Veränderung, müsst ihr so klingen wie ihr heute klingt?

Ed: Ja natürlich. Als Songwriter wie ich einer bin, kommt das alles aus mir raus, und ich werde nun mal älter und erlebe neue Dinge, die ich da rein bringen möchte. Die Aggression der Band ist anspruchsvolleren, entwickelteren, organischeren und gleichzeitig zugänglicheren Melodien und Texten gewichen, was alles sowohl sehr anhebt als das es auch eine neue Kraft hinein bringt, einen neueren Aspekt als auf Throwing Copper. Dieses neue Album ist also definitiv einzigartig.

AN: Jedenfalls ist offensichtlich, dass der optimistische Ansatz auf Songs From Black Mountain größer denn je ist. Wo kommt das her?

Ed: Ich war schon mein ganzes Leben sehr in dieser Spiritualität, Meditation und damit verbundenem Wachsen drin. Ich habe heute mehr Energie als ich jemals hatte, bin wahrscheinlich wirklich glücklicher, als eigener Mensch ausgefüllter. Aber das hat mich eben nicht gesetzter gemacht, sondern energischer. Ich denke, dass man das sowohl heute auf der Bühne sehen als auch auf dem Album hören wird.

AN: Bist du also so ausgeglichen und zufrieden, wie Du und das Album es zeigen wollen?

Ed: Ja, so fühle ich mich, ich bin gewachsen was das betrifft, nicht nur als Mensch sondern auch als Songwriter - aber wie ich schon sagte, das findet man alles auf dem Album.

AN: Stimmst du mir denn zu, dass eines der Hauptthemen auf all euren Alben und heute mehr denn je die Natur, ihre Elemente und ihre Entstehung ist?

Ed: Ja, gerade die Lyrics beherbergen einige natürliche Elemente als Metaphern für das, was ich über diese Spiritualität sagen möchte. Ich nutze Feuer, ich nutze Wasser, für mich ist das sehr ausdrucksstark. Jeder kann da einen Bezug zu herstellen, das hält die Songs in gewisser Hinsicht universell. So was möchte ich auf jeden Fall reinbringen.

AN: Auf der Bonus-DVD eures Albums sagt einer deiner Bandkollegen sinngemäß, dass ihr die glatteste, sauberste, glänzendste Musik machen wollt, die nur irgend möglich ist. Sind es etwa nicht die Ecken und Kanten, die Musik erst wirklich spannend machen? Die Natur ist auch alles andere als gleichförmig.

Ed: Das war ein anderer Ansatz. Er meinte, dass unsere Musik möglichst sinfonisch klingen soll, wir wollten all die schönen String-Parts drin haben. Die Ecken und Kanten findest du schon in den innovativen Texten, dem ausdrucksstarken Gesang, ich als Songwriter schaue in sämtliche Richtungen. Die Produktion ist nicht mehr so roh wie in unserer Vergangenheit, wir sind da mehr reingegangen. Das war neu für uns und brachte Spaß! Gleichzeitig glaube ich aber nicht, dass die Platte zu poliert klänge. Es ist immer noch organischer Rock. Es ist definitiv kein Popalbum, sondern ein Rockalbum mit großartiger Produktion und spannender Energie.

AN: Was machte denn euren musikalischen Fokus vor, sagen wir zwölf Jahren, im Vergleich zum heutigen aus?

Ed: Die Kernelemente der Band sind immer noch die Gleichen. Wir finden nur neue Wege, das zu produzieren und zu vertonen. Ein Weg dahin war dieses Mal unser Produzent Jim Wirt, der ein recht orchestrales Ohr hat und sagte: "Ihr macht das hier jetzt auf diese Art und Weise seit zehn Jahren, wie wäre es denn, es mal so und so zu probieren?" Das hat uns herausgefordert und das Album einzigartig gemacht und unsere Diskographie erweitert.

AN: Aber du stimmst mir da zu, dass sich irgendwas im Laufe der Jahre schon verändert hat? Auch wenn Du Songs From Black Mountain in der Tradition von Throwing Copper siehst, hat mich persönlich das damals komplett gepackt und umgeworfen, heute passiert das nicht mehr. Vielleicht liegt der Grund dafür nicht nur darin, dass ihr älter geworden seid, sondern eure Hörer auch? Nicht nur ich vermisse das rockende Element schon.

Ed: Es ist halt ein ganz anderer Ansatz! Ich als Künstler möchte unter keinen Umständen irgendwo stehen bleiben. Ich will experimentieren, das alles für mich interessant halten. Das halte ich für eine der guten Sachen an Live und einen Grund dafür, dass wir schon so lange dabei sind. Andere Leute schätzen, dass wir nicht immer gleich klingen. Soviel "Rock"-Musik heutzutage ist nicht mehr als fabrizierte Musik. Das reizt uns erst recht, nicht zu denen zu gehören, die immer nur das gleiche machen und hören wollen und bloß keine Veränderung willkommen. Als Künstler gehört es doch zu deinen größten Herausforderungen, immer nur das zu tun, was deine Gefühle dir sagen, was du tun möchtest. Das ist gleichzeitig der größte Unterschied zwischen einem Künstler und einem Geschäftsmann.

AN: Wieviel Band ist Live überhaupt? Der Fokus liegt definitiv auf dir. Du bist allein auf dem Albumcover und der Rückseite zu sehen, du singst deine eigenen Background-Vocals. Kann das nicht zuviel des Guten sein?

Ed: Es ist doch einfach so: Entweder du magst es oder du magst es nicht!

AN: Ein anderes Kommentar auf eurer DVD bezüglich eurer Arbeitsweise geht so, dass du sowohl mit den Texten als auch mit allen Melodien ins Studio kommst, während die Jungs dazu erst dann einsteigen. Der Fokus konzentriert sich wieder auf dich. Wo siehst du da den kreativen Prozess? Kann organische Musik so gut entstehen?

Ed: Offensichtlich ja. Ich schreibe die Songs, die Band reagiert darauf, und was Unglaubliches kommt dabei heraus. Ohne Kreativität würde das nicht funktionieren. Zuwischen mir, der Band und dem Produzenten herrschte bei den Aufnahmen immer eine sehr kreative Atmosphäre, ein sehr wechselseitiger Ansatz. Das Songwriting lief schon immer so, dass ich die Grundideen auf der Akustikgitarre hereinbrachte, und das war jetzt eben nicht anders.

AN: Wir sprachen über den musikalischen Fokus. Was beschäftigte dich auf allgemeinerem Level in deiner Vergangenheit, was heute?

Ed: Mein Interesse an Spiritualität und dem Leben als Ganzen lenkte mich schon seit jeher und fasziniert mich immer noch. Es erscheint mir in meinem Leben zwingend genug, das alles in meinen Texten auszudrücken, und das so, dass es nicht zu Gebeten verkommt sondern positiv, besser stimmen kann. Das ist dann auch das, was ich weiterhin machen möchte.

AN: Gehen wir zum Ende des Gespräches noch einmal zum Anfang zurück: Wie werdet ihr in Zukunft euch selbst und eure Fans, die ja gleichzeitig die größten Kritiker sind, bei der Stange halten?

Ed: Es dreht sich alles ums Songwriting. Die Fans werden so an der Band interessiert sein, wie sie es an den Songs sind – und wenn diese berühren und gut sind, dann werden die Fans auch weiter an uns als Band interessiert sein.


Autor: Fabian Soethof


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